Mathe für handmaids
19.10.2011 12:43 (5 Kommentare)
Der Crafty Caffee Clatsch im September war wieder klasse. Wieder konnten wir über technische und menschliche Aspekte der Handmadekultur sprechen, aber auch über die Basics des Business. Wie kalkuliere ich meine selbstgemachten Produkte? Im Grunde ist es ganz einfach - alles zusammenrechnen, was Geld kostet. Aber was ist alles und wieviel davon?
Die meisten rutschen vom Hobby über DaWanda und Etsy ins Kleingewerbe und wenn es läuft, wird ein richtiges Gewerbe daraus. Wer handmade als Hobby betreibt, denkt erstmal nur in Materialkosten, also Ausgaben die man hat und wieder zurückbekommen möchte. Viele Angebote sind so bescheiden gerechnet. Die Arbeitszeit wird oft vollkommen vergessen. "Es macht mir doch Spaß, da möchte ich kein Geld für." Arbeit darf Spaß machen! Arbeit sollte bezahlt werden. Geld ist auf Märkten auch Handmade-Märkten quasi die Weltsprache der Anerkennung.
Ich möchte mal eine kleine Liste (ohne Garantie auf Vollständigkeit) zeigen, was alles in den Preis bzw. deine Preisüberlegungen rein sollte.
Es gibt KEINE fehlerfreien Systeme. Man kann immer sicher sein, dass irgendwas schief geht. Nur was das sein wird, ist unklar. Wenigstens 15% Risikoaufschlag kalkulieren, aber man sollte am besten selber mal ehrlich bei sich schauen, ob das reicht, denn es kann viel schief gehen.
"Aber, die Kunden wollen niedrigere Preise." Ja, ja und Männer wollen angeblich Frauen, die sofort mit ihnen in die Kiste springen. Trotzdem ist das nicht die Taktik der meisten Frauen. Ihr Selbstwertgefühl und ihre Ansprüche, wie sie dies bestätigt haben wollen, ist die Basis einer möglichen Beziehung. Billig ist billig - das gilt für jede Form der Beziehung.
Sei einzigartig! Sei clever! Nimm dir Zeit für die Produktentwicklung. Alles was oben als Kosten aufgeführt ist, kann man hinterfragen: Wo kann man Zeit sparen? Wo kann man Material sparen? Wie kann man Fehler vermeiden? Und wenn du dann auch noch einzigartig bist, weil deine Produkte eine eigene Handschrift haben oder noch keine vorher ein … ersonnen hat, ist der Preisdruck noch gar nicht da.
Denk an vieles, aber mache dir nicht zu viele Sorgen. Du musst ja nicht alles sofort richtig machen. Man kann sich auch das Fehlermachen gönnen, um dann daraus lernen. Viele Verbesserungsmöglichkeiten zum Zeit und Geld sparen fallen einem nämlich eh erst ein, wenn man Erfahrungen mit der Produktion gesammelt hat.
Die meisten rutschen vom Hobby über DaWanda und Etsy ins Kleingewerbe und wenn es läuft, wird ein richtiges Gewerbe daraus. Wer handmade als Hobby betreibt, denkt erstmal nur in Materialkosten, also Ausgaben die man hat und wieder zurückbekommen möchte. Viele Angebote sind so bescheiden gerechnet. Die Arbeitszeit wird oft vollkommen vergessen. "Es macht mir doch Spaß, da möchte ich kein Geld für." Arbeit darf Spaß machen! Arbeit sollte bezahlt werden. Geld ist auf Märkten auch Handmade-Märkten quasi die Weltsprache der Anerkennung.
Ich möchte mal eine kleine Liste (ohne Garantie auf Vollständigkeit) zeigen, was alles in den Preis bzw. deine Preisüberlegungen rein sollte.
Material
- Das, was man verarbeitet (Stoff, Füllwatte, Bänder, Knöpfe, Garne…)
- Das, was man gekauft hat und dann im Mülleimer landet. Sei es als Verschnitt oder als Fehler.
- Verpackungsmaterial (Folien, Tüten, Füllmaterial für Zerbrechliches)
- Versandmaterial (Kartons, Umschläge, Paketklebeband…)
Arbeitszeit
- Produktentwicklung, z.B. einen Schnitt erarbeiten, testen, überarbeiten
- Herstellung
- Verkauf, also die Zeit auf Märkten oder z.B. Fotos machen und bei DaWanda, Etsy etc. einstellen
- Versand angefangen beim Einpacken, Frankieren, zur Postbringen
- Kundenkommunikation, also Fragen beantworten, Änderungswünsche besprechen, ggf. Kundenbewertung nach dem Versand
- Kontokontrolle (ist das Geld schon angekommen? Vom wem ist denn diese Überweisung? Das ist ja ein komischer Betrag, der passt zu keiner Bestellung?)
- Materialsuche und -einkauf
- Buchhaltung
Nebenkosten
- Shopgebühren (Einstellen der Produkte und Provision beim Verkauf)
- Paypalgebühren oder andere Gebühren für die verschiedenen Bezahlformen
- Kontoführungsgebühr
- Dispokosten, wenn's mal enger wird
- Grüner Punkt (jeder Shop muss mitmachen und seinen jährlichen Obolus für das Recycling zahlen)
- GEZ (alle gewerblich genutzten Geräte müssen angemeldet werden, für uns ist das mindestens der Computer)
- Telefon
- Internetzugang
- Miete, für alle die ein Atelier oder absetzbares Arbeitszimmer haben
- Porto
Arbeitsmittel
- Computer
- Digicam
- all die schönen Maschinchen zum Nähen, Sticken, Cutten, Laminieren, Buttons machen etc.
- Drucker
- Bügeleisen
- alles was in deinem Arbeitszimmer steht und unverzichtbar ist
Werbung und Goodies für deine Kunden
- Visitenkarten
- Flyer
- Banner oder Ähnliches, das deinen Marktstand schmückt und dein Label zeigt
- Kleinigkeiten, die du deinen Kunden ggf. als Goodie mit ihrer Bestellung schickst
- Blog- oder Googlewerbung
- Kosten für Werbung und Specials bei DaWanda, Etsy & CO z.B. wenn man an einer Rabattaktion teilnimmt. Den Rabatt muss man sich als Verkäufer leisten können, sonst zahlst du ja drauf.
Papa Staat und dein Alter
- 19% MwSt
- Einkommsteuer
- Soli
- Krankenkasse
- Altersvorsorge
- Gewerbesteuer
Risikopuffer - die Shit-happens-Quote
Es gibt KEINE fehlerfreien Systeme. Man kann immer sicher sein, dass irgendwas schief geht. Nur was das sein wird, ist unklar. Wenigstens 15% Risikoaufschlag kalkulieren, aber man sollte am besten selber mal ehrlich bei sich schauen, ob das reicht, denn es kann viel schief gehen.
- Reklamationen
- Lieferung im Versand verloren gegangen, dann muss der Händler alles nochmal schicken
- Fehler beim Nähen/ Stricken/Häkeln/Sägen etc. weil die Maschine zickt, man einen schlechten Tag hat, nichts funktioniert…
- Probleme mit dem Material, das man verarbeitet - nicht lieferbar, funktioniert schlecht…
- Der Kunde hat sich irgendwie geirrt beim Bestellen und teilt dir nochmal einen Änderungswunsch mit bevor er bezahlt und du hast schon angefangen, um Zeit zu sparen und musst nun nochmal von vorne anfangen
- Lieferadresse war falsch, alles kommt zurück und du musst es nochmal schicken
- Material, das du gekauft hast, aber wegen mangelnder Nachfrage gar nicht verwenden konntest
- Produkte, die du z.B. für das Weihnachtsgeschäft, Märkte oder andere Specials vorproduziert und nicht verkauft hast
- Verschleiß & Verschmutzung - Dreckfingerchen, Staub, Regen oder sonstwas, das auf Märkten oder in deinem Arbeitszimmer die schönen Dinge schmutzig macht und ihren Wert schmälert
Oh Gott, dann lohnt sich das ja gar nicht! Doch :)
Keine Sorge, es lohnt. Einzigartiges und Gutes findet Kunden, die ihre Anerkennung auch entsprechend zum Ausdruck bringen - in €. Lass dich nicht von zu niedrigen Preisen anderer verunsichern. Du musst deinen Wert und den deiner Arbeit kennen und selbstbewusst einfordern. Du verlierst Kunden, die auf "Egal, hauptsache billig" aus sind, aber das ist eigentlich ein Vorteil. Denn du verlierst bzw. zahlst drauf, wenn du nur um irgenwas zu verkaufen, deine aufwändigen Produkte zu Minipreisen verkaufst, die weder deine Kosten decken noch deinen Stundenlohn. Den Effekt kannst du auch ohne Verkaufsstress haben, in dem du dein Geld einfach anders verprasst. Das macht dann auch mehr Spaß."Aber, die Kunden wollen niedrigere Preise." Ja, ja und Männer wollen angeblich Frauen, die sofort mit ihnen in die Kiste springen. Trotzdem ist das nicht die Taktik der meisten Frauen. Ihr Selbstwertgefühl und ihre Ansprüche, wie sie dies bestätigt haben wollen, ist die Basis einer möglichen Beziehung. Billig ist billig - das gilt für jede Form der Beziehung.
Sei einzigartig! Sei clever! Nimm dir Zeit für die Produktentwicklung. Alles was oben als Kosten aufgeführt ist, kann man hinterfragen: Wo kann man Zeit sparen? Wo kann man Material sparen? Wie kann man Fehler vermeiden? Und wenn du dann auch noch einzigartig bist, weil deine Produkte eine eigene Handschrift haben oder noch keine vorher ein … ersonnen hat, ist der Preisdruck noch gar nicht da.
Denk an vieles, aber mache dir nicht zu viele Sorgen. Du musst ja nicht alles sofort richtig machen. Man kann sich auch das Fehlermachen gönnen, um dann daraus lernen. Viele Verbesserungsmöglichkeiten zum Zeit und Geld sparen fallen einem nämlich eh erst ein, wenn man Erfahrungen mit der Produktion gesammelt hat.













Kommentare
Bei vielen Anbietern kann ich die Preise einfach nicht nachvollziehen.
Ganz besonders nicht, wenn sie Stoffe mit eigenen Muster, extra gedruckt ( natürlich hier;)), verarbeiten.
Arbeit und Material muß doch bezahlt werden ?!
LG, Bettina
man kann es nicht oft genug aufschreiben (darauf hinweisen).
vor allem die produktentwicklungskosten und die "shit-happens-quote" (wunderbarer ausdruck) sind nicht zu unterschätzen ...
lieben gruß
jennifer